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Thermalsee Heviz

Geschichte:hevizprofil_160

Im Jahre 1971 wurde der Quelltopf vom Berufstaucher György Kovacs und seinem Team im Zuge von Aufräumungsarbeiten an der Quellfassung entdeckt und bis zum Jahre 1972 von Schlamm- und Sedimentablagerungen gereinigt. Die völlig veränderten Dekozeiten wurden mehr oder weniger im Feldversuch ermittelt - sprich: hat es gejuckt, war die Deko zu kurz. Daher verfügt die Tauchbasis auch über eine eigene Dekokammer. Das Cousteau-Team, das in den 90er Jahren einen Film über den Thermalsee und seinen Quelltopf drehte, sich aber nicht an die Dekotabelle von György Kovacs hielt, durfte sie bereits geschlossen testen!

 

Der See:

Der See Heviz liegt am südwestlichen Ende des Plattensees und ist ein Thermalsee mit einer Fläche von 47.500 m2 und einer durchschnittlichen Temperatur von 26 - 28 Grad auch im kältesten Winter. Am See befindet sich die öffentliche Badeanstalt, die auch nichttauchenden Familienmitgliedern eine hervorragende Möglichkeit zur Freizeitgestaltung bietet. Vom Baden bis zur Massage werden alle Annehmlichkeiten geboten, der Tageseintrittspreis ist mit ca. ATS 45,- sehr günstig, vor allem, da man für kürzere Aufenthalte eine Rückvergütung erhält.

Tauchen allgemein:

Es besteht die Möglichkeit zum geführten Tauchen im offenen Wasser, was aber wegen der sehr schlechten Sicht nicht besonders empfehlenswert ist. Das ultimative Erlebnis ist das Tauchen im Quelltopf, welches vom Anspruch her große physische und psychische Belastbarkeit voraussetzt. Der Preis für geführte Tauchgänge im Freiwasser bis auf 38 m Tiefe beträgt ATS 400,- und ist auf 15 Personen limitiert, wird aber kaum durchgeführt. Der Tauchgang in den Quelltopf kostet ATS 600,- und ist auf 6 Personen limitiert.

Tauchgangsvorbereitung:

Der Tauchgang in den Quelltopf ist wie bereits angesprochen außergewöhnlich anspruchsvoll und überwiegend CMAS*** Tauchern oder solchen mit gleichwertiger Qualifikation vorbehalten. Der Tauchgang beginnt mit einem ausführlichen Briefing, in welchen die Geschichte der Erforschung des Quelltopfes erzählt und sodann der Tauchgang minutiös erläutert wird. Bereits beim Briefing wird einem bewußt, daß man sich in wirklich kompetenten Händen befindet und Sicherheit an allererster Stelle steht. Nach dem Briefing übersiedelt man mitsamt der Ausrüstung in eine Kabine der Badeanstalt. Nach erfolgter Adjustierung steht noch ein kurzer Weg mitten durch die Badeanstalt bevor, vorbei an den Badegästen, die einem mit bezeichnenden Blicken mustern. Dann steigt man direkt vor der Badeanstalt im Tiefwasser ein.

Der Tauchgang:

Und ab hier nimmt das Abenteuer seinen Lauf. Bei einer Sicht von nahezu Null führt György Kovacs die Tauchgäste an das Seil neben der Rohrleitung für das Thermalwasser. An diesem Seil steigt man auf 35 m Tiefe ab. Hier befindet sich der Zugang zum Quelltopf. Um den Quelltopf vor neuerlicher Verunreinigung durch Schlamm und Sedimente zu schützen, wurde eine Holzwand errichtet, durchbrochen nur durch einen Durchlass vom 60x90 cm. Dahinter befindet sich der Gang zum zweiten Durchlass in der selben Größe, da hier eine Metallwand als Abtrennung zum Quelltopf errichtet wurde. Zwischen beiden Durchlässen wurde ein Steg von 50 cm Breite und 3 m Länge verlegt, an dem man sich gegen einen Gegendruck von 400 - 600 l Wasser je Sekunde durch den 2. Durchlass in den Quelltopf hangeln kann - eine völlige Entleerung des Jackets vorausgesetzt. Und das ganze natürlich bei zwischenzeitlich Null Sicht. Aber auch hier setzt sich das konsequente Sicherheitsbewußtsein von György Kovacs weiter fort: Zuerst überwindet er den Durchlass, dann der Tauchgast, danach der Sicherungstaucher. Die Sichtverhältnisse ändern sich schlagartig, wenn man den Quelltopf selbst erreicht hat. Hier erwarten glasklares Wasser und eine überwältigende Sicht den Taucher. Die 15 Minuten hier vergehen wie in einem Atemzug, so überwältigend sind die Eindrücke. Die erste Runde findet wie besprochen in der Mitte des kugelförmigen Quelltopfes - förmlich auf Tuchfühlung mit György - statt. Ein Blick aus der Vogelperspektive sozusagen auf die darunterliegenden 10 Spalten, aus denen das Thermalwasser austritt. Eine Besonderheit ist, das sich der Quelltopf in eine warme und eine kalte Seite teilt, denn auf der linken Seite befindet sich eine Quelle mit einer Wassertemperatur von nur 17 Grad - was eine Mischtemperatur von ca. 39 Grad ergibt. Nach der ersten Umrundung steht eine genaue Inspektion der einzelnen Austrittspalten am Programm, bis hinunter auf den Grund des Quelltopfes in 47 m Tiefe. Den Abschluß krönt das Auftauchen in die Gasblase unter der Decke - die mehrmals wiederholte Mahnung Györgys, den Lungenautomaten bloß nicht aus den Mund zu nehmen, immer in Erinnerung. Denn ein Atemzug des Gasgemisches - Wasserstoff, Schwefel, etc., wäre absolut tödlich! Mehrere Taucher, die sich nicht an diese Anordnung hielten, bezahlten dafür mit ihrem Leben.

In der Zwischenzeit hat sich Oxidationsmaterial in großen, weißen Flocken gelöst und schwebt Richtung Boden - ein Eindruck wie Schneefall an einem frostigen Wintertag.

Ein Zeichen von György zeigt das Ende des Tauchganges an. Nunmehr in umgekehrter Reihenfolge und vom Wasserdruck wie Sektkorken durch den Durchlass gepustet, verlassen wir den Quelltopf und machen uns auf den langen Weg nach oben. Denn wie bereits angesprochen herrschen hier aufgrund der unterschiedlichen Wassertemperaturen (beinahe 40 Grad im Quelltopf, 26 Grad bei der Deko) ganz andere Gesetze. Mein Computer zeigt mir einen Dekostop von 5 Minuten auf 3 Meter - was mit Garantie zu einem schweren Tauchunfall führen würde. Denn wir beginnen bereits auf 9 Meter mit einer Deko von 5 Minuten, setzen dann auf 6 Meter mit 10 Minuten fort und beenden die Dekompression auf 3 Meter mit einer Zeit von 15 Minuten - um 25 Minuten mehr, als üblicherweise. Wie kalt 26gradiges Wasser sein kann, diese Erfahrung macht man ebenfalls während dieser Zeit. Von der Langeweile gar nicht zu reden. Noch immer berauscht von diesen Eindrücken und dem Adrenalin im Körper vergeht jedoch auch diese Zeitspanne recht schnell - und erleichtert und glücklich verlässt man letztendlich den Thermalsee - nicht ohne im Gedanken nochmals ein Dankeschön an György auszusprechen, dessen Sicherheitsmaßnahmen und absolut beruhigendes Wesen diesen Extremtauchgang zu einem sicheren Ende geführt haben!

Gerhard Derler

 
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