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Reisebericht Hurghada

Vorgeschichte: Am Samstag, dem 8.Mai 1999 bekomme ich von Werner Wachmann den absurden Vorschlag, mit ihm am kommenden Donnerstag für eine Woche nach Ägypten zu fliegen. Nach einer kurzen, intensiven Nachdenkphase, bei der auch die beste aller Ehefrauen (sorry Mr. Kishon) eingebunden ist, erhält Werner während einer Autofahrt nach Heviz (H) am Sonntag meine Zusage. So verrückt kann ein Vorschlag gar nicht sein, dass ich nicht darauf reagiere, sofern das Ganze mit Tauchen zu tun hat.

 

Donnerstag, 13.Mai 1999, 20:30 Uhr: Abflug mit Lotus Air, das ist die Chartertochter der Egypt Air, nach Hurghada mit leichtem Übergepäck, wie es sich für Taucher gehört. Wir sind im Hotel Royal City untergebracht, das Zimmer ist sauber, bietet einen schönen Ausblick auf die Stadt; das Essen ist grauslich (ohnehin nur einmal versucht).

 

Freitag, 14.Mai 1999, vormittag: Werner und ich fahren zu Rudi Kneip. Der macht aber keine Tagesfahrten mehr und empfiehlt uns Roland Schumm. Die Frage, wo Roland zu finden ist, beantwortet Rudi mit: „Da findet ihr sowieso nicht hin, ich bringe euch zu Roland". Im Divingcenter von Roland angekommen, legen wir unsere Brevet´s und Logbücher vor, Roland will noch das ärztliche Tauchtauglichkeitsattest sehen, dann meint er noch: „Den Checkdive können wir uns schenken, den Guide auch, ihr taucht ja ohnehin gemeinsam, oder?" Roland bekommt das zufriedene Grinsen in unseren Gesichtern nicht mit und zeigt uns neben seiner Tauchbasis, die bestens in Schuss ist, Susannas Taucherhaus.

 

Das ist eine Taucherpension, die von – erraten - Susanna geführt wird. Nett eingerichtete Zimmer über der Tauchbasis und eine wunderschöne Dachterasse, mit Ausblick auf die Stadt und das Meer.
Nebenbei bemerkt – das Essen ist großartig, das Bier ist kalt, die Atmosphäre lädt zum Sitzen bleiben ein. Von diesem Tag an verbringen Werner und ich die Abende bei Susanna.

 

Am nächsten Tag wird auf dem Tauchboot Karlynn eingecheckt. Wir werden um 8:20 Uhr von Roland vom Hotel abgeholt und zur Basis gebracht. Blei ausfassen, das Tauchgerödel in eine Plastikkiste verstauen. Danach werden alle zum Boot gebracht, unsere Tauchsachen bleiben die nächsten fünf Tage auf dem Schiff (sehr angenehm, wenn bei Temperaturen um die 35° die Schlepperei entfällt). Das Tauchboot faßt bequem 12-15 Taucher, ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Getaucht wird mit 12l Stahlflaschen, die gut gefüllt sind.

Der Tagesablauf: Werner und ich werden von Roland kurz vor halb neun Uhr vom Hotel abgeholt. Ausfahrt um 9:00 Uhr, Dauer ca.1 Stunde. Briefing von Rita (unserem teutonischen Walkürentauchguide, die Werner und mich allerdings immer nur über Wasser sah). Danach ins Wasser zum Vormittagstauchgang. Nach 60-85 Minuten ist der Spaß vorbei, zurück auf die Karlynn zum Mittagessen (wahlweise Fisch, Fleisch oder Huhn mit Salaten, Reis, Erdäpfel). Die nächsten 2 Stunden verbringen wir in einer Phase der inneren Einkehr. Profane Zeitgenossen würden diese Phase auch als Schlaf bezeichnen. Am Nachmittag wird von unserem Kapitän Ibrahim (dem größten Olivenölschmierer auf weibliche Haut zwischen Luxor und dem Sudan) ein neuer Tauchplatz angefahren und nach einem weiteren Briefing von Rita geht’s wieder ins Wasser. Danach Rückkehr in den Hafen und Eintreffen bei Susanna zum Abendessen.

Die Tauchplätze: Vom Strömungstauchgang bis zum Easy Dive am Nachmittag bietet Rolands Tauchbasis alles, was das Taucherherz begehrt. Die Wassertemperaturen reichen von 23° in +40m Tiefe bis zu extremen 29° an seichten Innenseiten von Riffen. Bedingt durch die sehr hohen Wassertemperaturen (auch in Ägypten sind die Auswirkungen El Nino´s zu bemerken) gibt es an diesen Stellen leider viele geschädigte Korallen. An den Außenriffen und den Tauchplätzen mit Temperaturen um die 24° ist die Unterwasserwelt noch (immer) oder (schon) wieder in Ordnung. An diesen Stellen glaubt man immer noch, sich in einem Aquarium zu befinden. Von prächtigen Gorgonien an exponierten, tieferen Stellen bis zu Steinfischen, frei übers Riff schwimmenden Muränen, Juwelenbarschen, Rotfeuerfischen, Blaupunktrochen und natürlich mannsgroßen Napoleons, reicht die Bandbreite der Unterwasserwelt. Werner und ich haben nach Gesprächen mit Roland und den Tauchlehrern feststellen können, dass 80-90% der Gäste in Hurghada bereits Nichttaucher sind. Meine Meinung: Tut der Unterwasserwelt keinen Abbruch.

 

Kulinarische Spezialitäten: Neben den Köstlichkeiten Susannas, bietet Hurghada auch für Wiener Gourmet´s diverse Leckereien. Kurz gesagt, in der Stadt gibt es eine Filiale von McDonalds. Werner und ich haben weder Kosten noch Mühe gescheut und so wurden Cheeseburger (von Werner) und Fishmäcs (von meiner Wenigkeit) einer genauen Prüfung unterzogen. Das Resultat: Schmeckt genauso (...) wie bei uns, liebe Wiener Feinschmecker :-)

Kommunikation: Seit 2 Jahren kann mit dem Handy in Hurghada sowohl mit A1, als auch mit max die Telefonitis ausgelebt werden. Beide Netze funktionieren bis auf gelegentliche Überlastungen zufriedenstellend.Nach fünf Tagen Tauchen im warmen Wasser bei Sichtweiten, von denen wir in Österreich nur träumen können, geht sich das Flugverbot mit 24 Stunden genau so aus, dass Werner und der Schreiberling einige Stunden danach wieder in den Flieger der Lotus Air klettern und 3 ½ Stunden später im saukalten, regnerischen Österreich landen (leider). Conclusio: Hurghada ist (wieder) eine Reise wert. Weniger Taucher als bisher, daher kein Gedränge der Tauchboote mehr auf den Tauchplätzen, eine Unterwasserwelt, die sich (hoffentlich) weiter erholt. Auf der Basis von Roland Schumm ist man weit weg vom Massenbetrieb und hat immer ein offenes Ohr für die Gäste und wer schon in Hurghada war und Susannas Taucherhaus noch nicht kennt, ist selbst schuld.


Fotos: Werner Wachmann Text: Leon Berger

 
 
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